1:1, 1:n, m:n und optionale Beziehungen – mit Crow’s-Foot-Notation
FIAE / FISI · LF5
1:1 – Eins-zu-Eins
Person ↔ Personalausweis
Kann eine Person mehrere gültige Personalausweise haben? Nein, nur einen.
Kann ein Personalausweis mehreren Personen gehören? Nein, nur einer.
Land ↔ Hauptstadt
Hat jedes Land genau eine Hauptstadt? Ja (mit seltenen Ausnahmen).
Merkregel 1:1: „genau eine“ zu „genau eine“ – in der Praxis selten;
meist werden beide Entitäten in einer Tabelle zusammengefasst.
1:n – Eins-zu-Viele
Abteilung ↔ Mitarbeiter
Kann eine Abteilung mehrere Mitarbeiter haben? Ja, viele.
Kann ein Mitarbeiter in mehreren Abteilungen arbeiten? Nein, nur in einer.
Kunde ↔ Bestellung
Kann ein Kunde mehrere Bestellungen haben? Ja, viele.
Kann eine Bestellung von mehreren Kunden stammen? Nein, nur von einem.
Merkregel 1:n: „eine Mutter, viele Kinder“ – die häufigste Beziehung.
Der Fremdschlüssel steht immer auf der n-Seite.
n:m – Viele-zu-Viele
Student ↔ Kurs
Kann ein Student mehrere Kurse belegen? Ja, viele.
Kann ein Kurs von mehreren Studenten besucht werden? Ja, von vielen.
Schauspieler ↔ Film
Spielt ein Schauspieler in mehreren Filmen? Ja.
Hat ein Film mehrere Schauspieler? Ja.
Merkregel n:m: „viele zu viele“ braucht in der Implementierung
immer eine Zwischentabelle. Diese erhält beide Fremdschlüssel als zusammengesetzten
Primärschlüssel (Details: siehe Datei „Chen vs. Crow’s Foot“).
Optionale Beziehungen (0:1, 0:n)
Person ↔ Auto (0:n)
Muss jede Person ein Auto haben? Nein, 0 oder mehr.
Gehört jedes Auto genau einer Person? Ja.
Chef ↔ Mitarbeiter (0:1)
Hat jeder Mitarbeiter einen Chef? Nein – der Geschäftsführer nicht.
Hat ein Chef mehrere Mitarbeiter? Ja.
Modalität: Der Kreis (○) = „kann 0 sein“ (optional),
der Strich (|) = „mindestens 1“ (Pflicht). Das äußere Symbol gibt das Minimum,
das innere (an der Entität) das Maximum an.
Häufige Denkfehler
Fehler 1 – „Bestellung ↔ Artikel“ als 1:n:
Falsch gedacht: „eine Bestellung, viele Artikel“. Richtig: n:m,
weil ein Artikel auch in vielen Bestellungen vorkommt.
Fehler 2 – Richtung verwechseln:
„Mitarbeiter →< Abteilung“ würde heißen: ein Mitarbeiter, viele Abteilungen.
Richtig: „Abteilung →< Mitarbeiter“.
Fehler 3 – Zeitaspekt vergessen:
„Person ↔ Wohnort“ ist 1:1 (aktueller Wohnort) oder 1:n (Wohnhistorie) –
je nach Anforderung.
Prüfungstipp: die 2-Fragen-Methode
Schritt 1 – in beide Richtungen fragen:
„Kann A mehrere B haben?“
„Kann B mehrere A haben?“
Schritt 2 – Antworten kombinieren:
A → B
B → A
Kardinalität
Nein
Nein
1 : 1
Ja
Nein
1 : n (bzw. n : 1)
Ja
Ja
n : m
Schritt 3 – Optionalität prüfen: „Muss A immer ein B haben?“ –
wenn nein, dann Kreis (○).
Übungsaufgaben
Bestimme die Kardinalitäten:
Buch ↔ Autor (ein Buch kann mehrere Autoren haben, ein Autor mehrere Bücher)
Rechnung ↔ Rechnungsposition
Lehrer ↔ Schulfach (ein Lehrer unterrichtet mehrere Fächer)