M03

Netzwerke: Begriffe, Adressen und Grundlagen

Netzwerkbegriffe verstehen, IP-Adressen lesen, Subnetze berechnen und Diagnose vorbereiten.

Arbeitsversion: M03 Übersicht · BFW Lübeck

1. Einstieg

In fast jeder IT-Umgebung müssen Geräte miteinander kommunizieren. Arbeitsplatz-PCs greifen auf Server zu, Drucker werden im Netzwerk angesprochen, Webseiten werden über Dienste bereitgestellt und viele Anwendungen benötigen DNS, Gateway, Ports oder Firewallregeln.

Wer Netzwerkangaben nur auswendig lernt, kann Störungen schwer eingrenzen. Ziel ist, Angaben in einer Konfiguration zu lesen und daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen.

Begriffe verstehen

Client, Server, Dienst, Port, Gateway, DNS und DHCP werden fachlich eingeordnet.

Adressen lesen

Hostadresse, Netzwerkadresse, CIDR, Subnetzmaske, Range und Default Route werden unterschieden.

Diagnose vorbereiten

Befehle und Fehlerbilder werden so erklärt, dass sie später im Labor angewendet werden können.

2. Netzwerk, Client und Server

Netzwerk

Ein Netzwerk verbindet mehrere Geräte miteinander, damit sie Daten austauschen können. Das kann ein kleines lokales Netz in einem Raum, ein Firmennetz über mehrere Standorte oder ein weltweites Netzwerk wie das Internet sein.

Beispiel: Ein PC, ein Drucker und ein Server sind über einen Switch verbunden. Dadurch kann der PC eine Datei vom Server öffnen oder einen Druckauftrag an den Netzwerkdrucker senden.

Client

Ein Client ist ein Gerät oder Programm, das einen Dienst nutzt. Der Client stellt eine Anfrage und erwartet eine Antwort von einem anderen System.

Beispiel: Ein Browser ist ein Client, wenn er eine Webseite aufruft. Er fragt beim Webserver Inhalte an und zeigt die Antwort für den Benutzer an.

Server

Ein Server ist ein Gerät oder Programm, das einen Dienst bereitstellt. Ein Server wartet auf Anfragen von Clients und liefert passende Antworten oder Funktionen.

Beispiel: Ein Webserver stellt Webseiten bereit. Wenn ein Browser eine Seite anfordert, liefert der Webserver HTML, Bilder oder andere Inhalte zurück.

Client und Server beschreiben Rollen. Ein Notebook kann Client sein, wenn es eine Webseite öffnet, und Server, wenn es eine Datei für andere Geräte freigibt.

3. Dienst, Protokoll und Port

Dienst

Ein Dienst ist eine Netzwerkfunktion oder ein Programm, das auf Anfragen wartet und darauf reagiert. Dienste laufen häufig im Hintergrund und stellen bestimmte Funktionen bereit.

Beispiel: Ein DNS-Dienst nimmt Namen wie www.example.de entgegen und liefert die passende IP-Adresse zurück. Ein Webdienst liefert Webseiten an Browser aus.

Protokoll

Ein Protokoll beschreibt Regeln für die Kommunikation zwischen Geräten oder Programmen. Es legt fest, wie Anfragen aufgebaut sind, wie Antworten aussehen und wie Daten übertragen werden.

Beispiel: HTTP ist ein Protokoll für Webseiten. DNS ist ein Protokoll zur Namensauflösung, und DHCP ist ein Protokoll zur automatischen IP-Konfiguration.

Port

Ein Port ist eine logische Nummer, über die ein bestimmter Dienst auf einem Gerät angesprochen wird. Die IP-Adresse beschreibt, welches Gerät erreicht werden soll; der Port beschreibt, welcher Dienst auf diesem Gerät gemeint ist.

Beispiel: Ein Webserver kann unter 192.168.10.20 erreichbar sein. HTTPS nutzt typischerweise Port 443, während HTTP typischerweise Port 80 nutzt.

Eine IP-Adresse zeigt auf das Gerät. Der Port zeigt auf den Dienst auf diesem Gerät.
DienstPortProtokollZweck
HTTP80TCPunverschlüsselte Webseiten
HTTPS443TCPverschlüsselte Webseiten
DNS53UDP/TCPNamensauflösung
DHCP67/68UDPautomatische IP-Konfiguration
SSH22TCPsichere Fernadministration
RDP3389TCPRemote Desktop
SMTP25TCPMailversand zwischen Servern
IMAP143 / 993TCPMailabruf
SMB445TCPDateifreigaben in Windows-Netzen

TCP

TCP ist ein verbindungsorientiertes Transportprotokoll. Es achtet darauf, dass Daten zuverlässig und geordnet übertragen werden.

Beispiel: HTTPS nutzt TCP, weil beim Laden einer Webseite vollständige und richtige Daten wichtig sind. Geht ein Paket verloren, kann TCP eine erneute Übertragung veranlassen.

UDP

UDP ist ein verbindungsloses Transportprotokoll. Es ist schlanker als TCP, bietet aber keine eingebaute Garantie, dass jedes Paket ankommt oder in der richtigen Reihenfolge verarbeitet wird.

Beispiel: DNS-Anfragen nutzen häufig UDP, weil kurze Anfragen und Antworten schnell übertragen werden sollen.

4. IP-Adresse und Notationen

IP-Adresse

Eine IP-Adresse ist eine logische Adresse eines Geräts in einem Netzwerk. Sie wird benötigt, damit Datenpakete ein Zielgerät erreichen können.

Beispiel: Ein Client hat die IP-Adresse 192.168.10.34. Andere Geräte können diese Adresse verwenden, um Daten an diesen Client zu senden.

IPv4-Adressen bestehen aus vier Zahlenblöcken. Jeder Zahlenblock heißt Oktett und kann Werte von 0 bis 255 enthalten.

SchreibweiseBeispielBedeutung
IP-Adresse ohne Maske192.168.10.34einzelne Adresse, Netzgröße nicht erkennbar
Hostadresse mit Subnetzmaske192.168.10.34 / 255.255.255.0Hostadresse mit klassischer Maske
Hostadresse mit CIDR192.168.10.34/24Hostadresse mit Präfixlänge
Netzwerkadresse mit CIDR192.168.10.0/24gesamtes Netzwerk
Netzwerkadresse mit Maske192.168.10.0 255.255.255.0häufig in Routing- oder Firewallkontexten
Adressbereich / Range192.168.10.100–192.168.10.150mehrere einzelne Hostadressen
Wildcard-Maske192.168.10.0 0.0.0.255häufig in Cisco-ACLs oder Routingkontexten
Default Route0.0.0.0/0alle IPv4-Ziele, wenn keine spezifischere Route passt
Loopback127.0.0.1eigener Rechner
IPv6-Netz mit Präfix2001:db8::/32IPv6-Netz mit Präfixlänge

Hostadresse mit Netzangabe

192.168.10.34/24 beschreibt ein einzelnes Gerät und gibt zusätzlich die Netzgröße an. Aus dieser Angabe kann das zugehörige Netzwerk 192.168.10.0/24 berechnet werden.

Netzwerkadresse

192.168.10.0/24 beschreibt das ganze Netzwerk. Diese Adresse steht nicht für einen einzelnen Client.

5. Subnetzmaske, CIDR und Berechnungsgrundlagen

Subnetzmaske

Die Subnetzmaske legt fest, welcher Teil einer IP-Adresse zum Netzwerk gehört und welcher Teil für einzelne Geräte verwendet wird. Dadurch erkennt ein Gerät, ob ein Ziel im eigenen Netzwerk liegt oder über ein Gateway erreicht werden muss.

Beispiel: Bei 192.168.10.34 mit 255.255.255.0 gehört 192.168.10 zum Netzanteil.

CIDR

CIDR ist eine Kurzschreibweise für die Subnetzmaske. Statt 255.255.255.0 schreibt man zum Beispiel /24.

Beispiel: 192.168.10.34/24 bedeutet, dass die ersten 24 Bit zur Netzadresse gehören.

Präfixlänge

Die Präfixlänge gibt an, wie viele Bits einer IP-Adresse zum Netzanteil gehören. In /24 bilden die ersten 24 Bits den Netzwerkanteil.

Beispiel: Bei /24 bleiben 8 Bits für Hosts übrig, weil IPv4 insgesamt 32 Bits hat.

ZweckFormel
Hostbits berechnen32 - Präfixlänge
Anzahl aller Adressen2^Hostbits
nutzbare IPv4-Hosts2^Hostbits - 2
Blockgröße im betroffenen Oktett256 - Maskenwert
erster HostNetzadresse + 1
letzter HostBroadcast-Adresse - 1
CIDRSubnetzmaskeHostbitsAdressennutzbare Hosts
/24255.255.255.08256254
/25255.255.255.1287128126
/26255.255.255.19266462
/27255.255.255.22453230
/28255.255.255.24041614
/29255.255.255.248386
/30255.255.255.252242

Beispielrechnung: 192.168.10.34/27

Schritt 1: IPv4 hat 32 Bits. Bei /27 gehören 27 Bits zum Netzanteil: 32 - 27 = 5 Hostbits.

Schritt 2: Mit 5 Hostbits gibt es 2^5 = 32 Adressen. Davon sind zwei reserviert, also bleiben 30 nutzbare Hosts.

Schritt 3: /27 entspricht 255.255.255.224. Die Blockgröße ist 256 - 224 = 32.

Schritt 4: Die Subnetze laufen in 32er-Schritten: 0–31, 32–63, 64–95 usw. Die 34 liegt im Bereich 32–63.

Netzadresse192.168.10.32
Broadcast-Adresse192.168.10.63
erster Host192.168.10.33
letzter Host192.168.10.62
nutzbare Hosts30

Netzadresse

Die Netzadresse beschreibt das gesamte Subnetz und ist nicht für ein einzelnes Gerät gedacht. Sie ist die erste Adresse im jeweiligen Adressbereich.

Beispiel: Bei 192.168.10.34/24 lautet die Netzadresse 192.168.10.0.

Broadcast-Adresse

Die Broadcast-Adresse ist die letzte Adresse in einem IPv4-Subnetz. Daten an diese Adresse werden an alle Geräte im jeweiligen Subnetz gesendet.

Beispiel: Bei 192.168.10.34/24 ist 192.168.10.255 die Broadcast-Adresse.

Hostbereich

Der Hostbereich enthält die nutzbaren IP-Adressen für Geräte innerhalb eines Subnetzes. Netzadresse und Broadcast-Adresse gehören nicht zum nutzbaren Hostbereich.

Beispiel: Im Netz 192.168.10.0/24 reicht der Hostbereich von 192.168.10.1 bis 192.168.10.254.

6. Gateway, DNS, DHCP und Netzwerkgeräte

Gateway

Ein Gateway ist der Übergang aus dem eigenen lokalen Netzwerk in andere Netzwerke. In vielen Netzen ist das Gateway der Router, über den Geräte das Internet oder andere Standorte erreichen.

Beispiel: Ein Client hat 192.168.10.25 und Gateway 192.168.10.1. Ist das Gateway falsch, kann der Client lokale Geräte erreichen, aber keine externen Ziele.

DNS

DNS übersetzt Namen in IP-Adressen. Menschen arbeiten leichter mit Namen wie www.example.de, während Geräte eine IP-Adresse benötigen.

Beispiel: Funktioniert DNS nicht, kann ping 8.8.8.8 funktionieren, während www.example.de nicht aufgelöst wird.

DHCP

DHCP vergibt IP-Konfigurationen automatisch an Clients. Dazu gehören typischerweise IP-Adresse, Subnetzmaske, Gateway und DNS-Server.

Beispiel: Ein Laptop erhält automatisch 192.168.10.57/24, Gateway 192.168.10.1 und DNS 192.168.10.10.

Switch

Ein Switch verbindet Geräte innerhalb eines lokalen Netzwerks. Er leitet Daten gezielt an den passenden Anschluss weiter und nutzt dafür MAC-Adressen.

Beispiel: PCs, Drucker und ein Access Point sind an einen Switch angeschlossen.

Router

Ein Router verbindet unterschiedliche Netzwerke miteinander. Er entscheidet anhand von IP-Adressen und Routen, wohin Datenpakete weitergeleitet werden.

Beispiel: Ein Router verbindet 192.168.10.0/24 mit dem Internet und ist oft das Gateway.

MAC-Adresse

Eine MAC-Adresse ist eine Hardwareadresse einer Netzwerkschnittstelle. Sie wird vor allem innerhalb eines lokalen Netzwerks benötigt.

Beispiel: Eine Netzwerkkarte kann A4-5E-60-12-AB-9F haben.

7. Firewall, Quelle, Ziel und Richtung

Firewall

Eine Firewall prüft Netzwerkverkehr anhand von Regeln. Sie kann Verbindungen erlauben oder blockieren, zum Beispiel nach Quelle, Ziel, Port, Protokoll und Richtung.

Beispiel: Eine Firewallregel erlaubt Clients im internen Netz den Webserver auf Port 443.

Quelle und Ziel

Quelle und Ziel beschreiben, von welchem Gerät eine Verbindung ausgeht und welches Gerät erreicht werden soll. In Firewallregeln ist diese Unterscheidung wichtig.

Beispiel: Quelle 192.168.10.50, Ziel 192.168.10.20, Port 443: Der Client möchte HTTPS auf dem Server erreichen.

Richtung

Die Richtung beschreibt, ob Verkehr eingehend oder ausgehend betrachtet wird. Eine ausgehende Regel hat eine andere Bedeutung als eine eingehende Regel.

Beispiel: Ein Client darf ausgehend Port 443 nutzen. Das erlaubt nicht automatisch eingehende Zugriffe auf diesen Client.

8. Diagnosewerkzeuge und Prüfreihenfolge

ipconfig

ipconfig zeigt unter Windows die IP-Konfiguration eines Clients an. Dazu gehören IP-Adresse, Subnetzmaske, Gateway und DNS-Server.

Beispiel: ipconfig /all zeigt, ob eine gültige IP-Adresse und ein Gateway eingetragen sind.

ping

ping ist ein Diagnosewerkzeug zur einfachen Erreichbarkeitsprüfung. Es zeigt, ob ein Ziel grundsätzlich antwortet, beweist aber nicht, dass ein bestimmter Dienst funktioniert.

Beispiel: Wenn ping 8.8.8.8 funktioniert, ist eine Verbindung zu einer externen IP möglich.

nslookup

nslookup ist ein Werkzeug zur DNS-Abfrage. Es zeigt, ob ein Name aufgelöst werden kann und welche IP-Adresse der DNS-Server zurückliefert.

Beispiel: nslookup www.example.de prüft die Namensauflösung.

tracert

tracert zeigt unter Windows den Weg, den Pakete durch verschiedene Netzwerke nehmen. So lässt sich erkennen, bis zu welchem Router ein Ziel erreichbar ist.

Beispiel: tracert kann zeigen, ob Pakete am Gateway oder erst später im Netz hängen bleiben.

  1. IP-Konfiguration prüfen: ipconfig /all
  2. IP-Adresse, Maske, Gateway und DNS prüfen
  3. Gateway anpingen
  4. externe IP-Adresse anpingen
  5. Namen auflösen: nslookup
  6. Dienst und Port prüfen
  7. Firewallregel prüfen
  8. Ergebnis dokumentieren
ping 8.8.8.8 Antwort von 8.8.8.8: Bytes=32 Zeit=18ms TTL=117 ping www.example.de Ping-Anforderung konnte Host "www.example.de" nicht finden.

Wenn eine externe IP erreichbar ist, aber ein Name nicht aufgelöst wird, liegt der Verdacht auf DNS nahe.

9. Mini-Checks

Mini-Check 1: Notationen lesen

Mini-Check 2: Ports und Dienste

Mini-Check 3: Subnetting-Rechenweg

Beantworte zur Aufgabe 192.168.10.34/27 die Kernwerte.